Samstag, 7. August 2010

Wer hat sich denn da ...



... in mein Blumenbeet geschmuggelt .... *schmunzel*
Seit einigen Wochen beobachte ich dieses niedliche Löwenmäulchen, das sich selbst in meinem Beet ausgesäht hat. Jetzt blüht es so wunderschön, die Farbe ist einfach toll und wer so tapfer ist, bekommt von mir auch ordentlich Wasser :o) .



Vor unserem Küchenfenster auf der Nordseite haben wir einen Sommer-Lieblingsplatz, der immer dann gefragt ist, wenn es sehr heiß ist, denn dann ist er angenehm kühl und schattig. Dieses Jahr haben wir uns eine neue Bank gegönnt.



Das zweite Wollvlies musste in die Wäsche, und das war heute vormittag eine wichtige Arbeit, denn ab morgen soll das Wetter wieder schlechter werden.

Immer wieder fragen in den Spinnforen die frischen Spinnerinnen, wie das mit der Wäsche der Rohwolle abläuft. Darum habe ich jetzt mal ein paar Fotos gemacht.

Vor der Wäsche wurde sortiert und dieses Vlies war leider nicht so gut wie das erste. Es war sehr stark eingefüttert mit Heu, Stroh und Spreu und es gab viele extrem verfilzte Stellen. All das wird großzügig aussortiert, weil es sowieso nicht zu gebrauchen ist.

Was dann in meiner großen Wanne landet und mit Regenwasser eingeweicht wird, ist das:



Nach einer Weile einweichen sieht das Wasser dann caramel-braun aus, was manche Spinnerin hübsch eklig findet ;o) , das Ganze duftet nämlich noch schön nach Schaf. Was das Wasser färbt, ist in allererster Linie aber nur Staub, viel Sand und Erde aus dem Auslauf. Köttelchen können natürlich auch noch im Fell hängen, die sammele ich aber vor der Wäsche schon raus. Was sich auch noch aus dem Vlies löst ist massenweise Lanolin, das setzt sich leicht weißlich auf der 'Brühe' ab, was den Anblick nicht schöner macht *grins*.

Hat sich ordentlich Schmutz aus der Wolle gelöst, folgen weitere Spülgänge. Heute waren es 6 an der Zahl, auch alle mit Regenwasser. Die Anfangsbrühe und die Spülgänge gehen alle in meine Blumenbeete und zu meinem Apfelbaum, denn dieses Wasser ist ein prima Dünger und ja völlig seifenfrei, darf also bedenkenlos in den Garten.

So sieht die Wolle dann nach dem letzten Spülgang aus. Dass sie immer noch viel Braun hat, liegt daran, dass es Wolle vom Coburger Fuchs ist - also sowieso leicht braun ist.



Und so sieht dann sie Wolle im Abendsonnenschein auf meinem Wäscheständer aus. Noch mit etwas Gekrümel gespickt, aber sauber und schon sehr gut angetrocknet.

Ich wasche jetzt schon seit 3 Jahren Rohwolle frisch vom Schaf. Mir macht es Spaß, auch wenn es eine anstrengende Arbeit ist. Ich finde es einfach wunderschön die Wolle ab Schur zu verarbeiten. Ich kenne die beiden Spenderschafe persönlich, die ein schönes Zuhause haben und sehr niedlich sind. So habe ich einen Bezug zur Wolle und die Faszination aus abgeschnittenen Tierhaaren einen Faden zu spinnen und daraus eine Kleidungsstück zu fertigen, ist immer noch ungebrochen. Außerdem trägt sich reine, selbst gewaschene und versponnene Rohwolle ganz anders als Kaufwolle, die industriell verarbeitet wurde. Ich persönlich bin überrascht um wieviel angenehmer diese Wolle sich für mich anfühlt.

Wer selbst Rohwolle waschen möchte, sollte gern einen Garten haben. Das erleichtert die Sache sehr. Von Vorteil ist auch, wenn man selbst Tiere hält oder betreut (je größer desto besser - Pferdehalter zum Beispiel kennen staubige Tiere und haben auch keine Angst vor ein paar kleinen Kötteln). Eigentlich ist nichts wirklich ekeliges an der Wäsche von Rohwolle, aber ich denke, dass Menschen, die in der Stadt leben, vielleicht doch ihre Probleme damit haben. In einer Etagenwohnung stelle ich mir die Prozedur auch schwieriger vor. Wobei ich Spinnerinnen kenne, die das auch in einer städtischen Wohnung mit Lust und Liebe machen. Sie teilen das Vlies dann in kleinere Portionen auf.

Letztlich ist es eben eine persönliche Entscheidung, ob man sich die Arbeit machen möchte oder nicht ...

Kommentare:

  1. Hallo Andrea,
    Löwenmäulchen sähen sich bei mir auch oft selbst aus, ich habe gestern gerade ein paar Keimlnge entdeckt. Die werden dann von mir auch gut gepflegt. Danke auch für deine Erklärung wie du die Rohwolle bekhandelst. Ich finde solche Beiträge immer interesant, auch wenn ich nicht selbst spinne. Na ja, jedenfalls keine Wolle.
    Liebe Grüße, Marita

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  2. Hallo Andrea
    Woowww, da habt ihr aber ein wunderschönes Plätzchen um vor der Hitze Schutz zu suchen.
    Das ist ja eine ganz interessante Sache wie die Rohwolle gewaschen wird, ich kenne das ja nicht da ich nicht stricke und nicht spinne. Aber ich finde das super toll wen man die Wolle selber herrichtet die man dann verstrickt.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüsse Marie-Louise

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  3. Hallo Marita und Marie-Louise,

    ich habe vor dem ersten Mal Wollwaschen auch das gesamte Internet durchstöbert, um zu lesen wie man das nun richtig macht. Es gibt viele Möglichkeiten, aber die Garten-Regenwasser-Methode schont den Geldbeutel und die Natur und macht keinen Schmutz im Haus. Darum mag ich sie am liebsten.

    Ich möchte mit den Fotos auch niemanden abschrecken, aber ich weiß, dass manche nicht wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie Rohwolle bekommen. Und wenn man einmal die Wolle eingeweicht hat, muss man ja zwangsläufig durch, da ist es ganz gut, wenn man weiß, wie die erste 'Brühe' so aussieht :o) .

    Liebe Grüße,

    Andrea

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