Samstag, 17. September 2016

Webstuhl komplett aufarbeiten - "frau" kann das auch :)


Ich habe eine sehr lieben und geduldigen Mann ... erwähnte ich das schon einmal :) ? Wenn nicht, dann will ich ihn hier noch einmal ausgiebig loben. Nach unserem Umzug haben wir uns wohntechnisch ziemlich verkleinert - und das ganz bewusst - trotzdem habe ich natürlich die allermeisten meiner Handarbeitsutensilen mit ins neue Heim geschleppt. Vieles musste ich eine Weile provisorisch lagern, dann wurde 2015 unser Dach erneuert und der bislang nicht nutzbare Dachboden wurde zu zusätzlichem Wohnraum, den ich natürlich gleich mal für meinen Kram beansprucht habe.

Und - als hätte ich nicht schon genug Hobbies -  habe ich mich auch noch ins Weben verliebt. Da ich immer gleich Feuer und Flamme bin und zufällig ein kleiner, alter Webstuhl in erreichbarer Entfernung verkauft wurde, kam es wie kommen musste: Der Webstuhl wurde mein und sollte im Dachkämmerchen ein neues Zuhause finden.

Auf den Fotos der Verkaufsanzeige sah er nahezu ladenneu aus, aber tatsächlich hatte er kleine Webstuhl wohl schon eine längere Lagerzeit auf einem Dachboden hinter sich. Er hatte diverse Wasserflecke, teilweise hatte die Lasur viele Sprünge, fast alle Metallteile und Schrauben waren verrostet und das Webblatt war leider auch beidseitig leicht angerostet. Aber das kann die Ehefrau eines gelernten Handwerkers nicht wirklich schrecken ... Mein Mann meinte, dass alle Gebrauchs- und Lagerspuren mit etwas Fleiß aufgearbeitet werden könnten.


Zunächst wanderte der Kleine erst mal in unser Gartenhaus, wo wir einmal probeweise alle Teile zusammengesetzt haben, um zu schauen, ob etwas fehlt. Das war gar nicht so einfach, weil ich nur ein wenig Weberfahrung mit einem Webrahmen hatte ...



Auf dem Foto oben sieht man recht gut den Rost auf dem Webblatt und die Wasserflecken auf der unteren Querverbindung darunter.


Auch an den Schäften waren alle Metallteile verrostet, inklusive aller Muttern und Flügelschrauben.



Hier sieht man die Führung der Schäfte - auch hier alles ziemlich verrostet.


Ein Teil meines Arbeitsmaterials - man sieht den Mini-Schleifer, den ich zum Bearbeiten des Webblattes benutzt habe. Wichtig: Schutzbrille unbedingt tragen! Nicht zu sehen ist der Schwingschleifer mit dem ich das Holz geschliffen habe. Dabei habe ich eine Staubschutzmaske getragen, was auch eine gute Idee zum Schutz der Atemwege ist.


 Erste Erfolge :) , die Stange rechts ist abgeschliffen, man sieht den Unterschied zu den 3 anderen.




Während ich Schleifen von Holz und Metall als neues Hobby hatte, war auch mein Mann nicht untätig. Es fehlten 2 Befestigungsklötzchen und die Stange für die Tritte. Die Stange haben wir im Internet bestellt, sie ist aus Messing und war nicht teurer als eine Stahl- oder Edelstahlstange.


Zwischendurch noch einmal ein Probeaufbau ... Die Schafthalter waren fertig, mein Mann hat die Lackteile neu lackiert, alle anderen Metallteile am Schafthalter sind sauber abgeschliffen und geölt. Auf den Holzteilen sieht man aber noch gut die Wasserflecken - rechts an der Seite, unten auf dem Querteil ...


Damit war es dann aber auch bald vorbei, hier stehen alle Holzteile, die ich im Laufe von einigen Wochen Stück für Stück abgeschliffen hatte - alle frisch mit Leinöl eingeölt.

Nach dem Ölen mussten die Teile lange ablüften, das Trocknen dauert bei Leinöl eine ganze Weile. Wie gut, dass wir das Gartenhaus haben!



Das Webblatt musste ich ingesamt 2 x von jeweils beiden Seiten abschleifen. Alle Zwischenräume habe ich mit einem Vliesläppchen poliert, damit die zukünftige Kette keine unangenehmen Flecken bekommt.
Nicht auf Fotos dokumentiert: einige fehlende Metallteile (Sperr-Räder und Sperr-Klinken) mussten beim Webstuhlhersteller neu gekauft werden, alle Schrauben und Flügelmuttern wurden ersetzt

Schließlich kam der große Tag ... das Dach und der Webstuhl waren beide fertig. Der Kleine konnte in sein neues Domizil einziehen :) .


Der erste Schaft wurde probeweise eingehängt - ein ganz tolles Gefühl.


Und schließlich Kette aufbäumen - erst mal nur mit 2 Schäften - mit ein bisschen Glück bin ich sogar preisgünstig zu einigen älteren aber unbenutzten Baumwolllitzen gekommen.


Dann endlich .... der große Augenblick ... anweben ... es funktioniert alles!! *freu*

Das Ergebnis: ein Baumwollschal für meine Tochter, Material und Farben hat meine Tochter selbst so ausgesucht.

Kommentare:

  1. liebe andrea,da kannst du aber richtig stolz sein,liebe grüße,susi

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  2. Liebe Susi,

    vielen Dank <3!! Und ich muss sagen, zu diesem Schätzchen habe ich schon ein ganz besonderes Verhältnis.

    Liebe Grüße,
    Andrea

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